Inga Lotta Limpinsel

Kurzvita:
Inga Lotta Limpinsel (geb. Schmitt), Jg. 1991, abgeschlossenes Studium der Anglistik (B.A.) und Erziehungswissenschaft (M.A.) an der Ruhr-Universität Bochum. Von 10/2010-03/2018 war Inga Lotta Limpinsel Stipendiatin des Evangelischen Studienwerkes Villigst e.V. Seit 09/2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Evaluationsforschungsprojekt „Lebenswelten aktiv gestalten“ von Prof. Dr. Sandra Aßmann (Arbeitsbereich „Soziale Räume und Orte des non-formalen und informellen Lernens“) und Dr. Katja Serova OStR i.H. (Arbeitsbereich „Quantitative Forschungsmethoden“) an der Ruhr-Universität Bochum tätig. Seit Mai 2020 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-Projekt "ViRaGe - Virtuelle Realitäten als Geschichtserfahrung".

Promotionsthema:
"Sozial kompetentes Handeln als Konstruktion - Interaktionen benachteiligter Hernawachsender in außerunterrichtlichen Angeboten. Eine Grounded-Theory-Studie."

Abstract:
Außerunterrichtliche Angebote werden im Ganztagsdiskurs als Möglichkeitsräume verstanden, in denen Merkmale des formalen Kontexts der Schule mit Merkmalen non-formaler Kontexte in Form von außerschulischen Freizeitangeboten vereint sind (Sauerwein et al., 2018). Vor diesem Hintergrund wird außerunterrichtlichen Angeboten das Potenzial zugesprochen, überfachliche Kompetenzen der Schüler*innen zu fördern und herkunftsbedingte Ungleichheiten zu verringern (Fischer, 2020). Letzteres trifft auch auf soziale Kompetenz zu, die als relevanter Faktor für gesellschaftliche Partizipation gilt. Theorie-Modelle verweisen darauf, dass kontextspezifische Normen und Werte rahmen, welche Handlungen als sozial kompetent legitimiert werden (Bittlingmayer et al., 2020). In der empirischen Bildungsforschung herrscht jedoch die Tendenz vor, den Kompetenzbegriff auf den Dispositionscharakter zu reduzieren und die Spezifität des Kontexts zu vernachlässigen (Otto & Schrödter, 2011). Somit mangelt es bislang auch an Untersuchungen, die betrachten, wie sozial kompetentes Handeln situativ und interaktiv ermöglicht, hergestellt und begrenzt wird. Dies trifft insbesondere auf außerunterrichtliche Angebote mit ihrer strukturellen „Eigenlogik“ (Graßhoff et al., 2019) zu.

Das Dissertationsprojekt setzt an dieser Stelle an, indem sozial kompetentes Handeln mittels der konstruktivistischen Grounded Theory-Methodologie (Charmaz, 2014) (video-)ethnografisch untersucht wird. Den metatheoretischen Rahmen stellt der Pragmatismus dar, wobei primär auf die handlungstheoretischen Arbeiten Deweys (1910; 2011; 2020) sowie den symbolischen Interaktionismus (Blumer, 2013) zurückgegriffen wird, um sich der interaktiven Konstruktion sozial kompetenten Handelns zu nähern. Zusätzlich werden einschlägige Arbeiten zu sozial kompetentem Handeln (u.a. Roth, 1971; Rose-Krasnor, 1997; Kanning, 2009; Kühn, 2020) berücksichtigt, systematisiert und mit der metatheoretischen Ausrichtung verknüpft. Auf empirischer Ebene wird anhand außerunterrichtlicher Angebote analysiert, wie Heranwachsende das Spannungsfeld zwischen schulischen Regeln sowie Normen des Peer-Kontexts (nicht) aushandeln und was dies mit Blick auf soziale Kompetenz bedeutet. Im Fokus stehen Jugendliche der Sekundarstufe I von Schulen in herausfordernden Lagen, die tendenziell von defizitorientierten Sichtweisen auf ihre Normen, Werte und Fähigkeiten betroffen sind (Bremm, 2019).

Literatur
Bittlingmayer, U., Bauer, U., Gerdes, J. & Sahrai, D. (2020). Erwerb und Stärkung sozialer Kompetenzen. In P. Bollweg, J. Buchna, T. Coelen & H.-U. Otto (Hrsg.), Handbuch Ganztagsbildung (2., aktualisierte und erweiterte Auflage, S. 269–281). Wiesbaden: Springer VS.

Blumer, H. (2013). Symbolischer Interaktionismus. Aufsätze zu einer Wissenschaft der Interpretation (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, Bd. 2069). Berlin: Suhrkamp Verlag.

Bremm, N. (2019). Umso mehr kommt es auf die Lehrperson an. Defizitperspektiven von Lehrkräften an Schulen in sozialräumlich benachteiligten Lagen. In S. Drucks & D. Bruland (Hrsg.), Kritische Lebensereignisse und Herausforderungen für die Schule (S. 106-127). Weinheim: Beltz.

Charmaz, K. (2014). Constructing grounded theory (Introducing qualitative methods, 2nd ed.). London: Sage.

Dewey, J. (1910). How We Think. Boston: D.C. Heath & Co.

Dewey, J. (2011). Demokratie und Erziehung. Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik (Beltz-Taschenbuch Essay, Bd. 57, 5. Aufl., [Nachdr. der Ausg. Weinheim, Beltz 1993]. Weinheim: Beltz.

Dewey, J. (2020). Human Nature and Conduct. An Introduction to Social Psychology. Milton Keynes: Lightning Source UK Ltd. (Originalarbeit erschienen 1922).

Fischer, N. (2020). Wirkungen außerunterrichtlicher Angebote an Ganztagsschulen. In P. Bollweg, J. Buchna, T. Coelen & H.-U. Otto (Hrsg.), Handbuch Ganztagsbildung (2., aktualisierte und erweiterte Auflage, S. 1537–1547). Wiesbaden: Springer VS.

Graßhoff, G., Haude, C., Idel, T.-S., Bebek, C. & Schütz, A. (2019). Die Eigenlogik des Nachmittags. Explorative Beobachtungen aus Ethnografien zu außerunterrichtlichen Angeboten. DDS – Die Deutsche Schule, 111 (2), 205–218.

Kanning, U. P. (2009). Diagnostik sozialer Kompetenzen (Kompendien Psychologische Diagnostik, Bd. 4, 2.,aktualisierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.

Kühn, I. K. (2020). Förderung sozialer Kompetenz bei benachteiligten Jugendlichen in der vorberuflichen Bildung. Konzeptentwicklung und -validierung am Beispiel der Werkschule Bremen. Weinheim: Beltz Juventa.

Rose-Krasnor, L. (1997). The Nature of Social Competence: A Theoretical Review. Social Development, 6 (1), 111–135.

Roth, H. (1971). Pädagogische Anthropologie. Entwicklung und Erziehung. Grundlagen einer Entwicklungspädagogik. Hannover: Hermann Schroedel.

Sauerwein, M. N., Lossen, K., Theis, D., Rollett, W. & Fischer, N. (2018). Zur Bedeutung des Besuchs von Ganztagsschulangeboten für das prosoziale Verhalten von Schülerinnen und Schülern – Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen. In M. Schüpbach, L. Frei & W. Nieuwenboom (Hrsg.), Tagesschulen (S. 269–288). Wiesbaden: Springer.

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