Das Praxissemester

Das Praxissemester stellt das Kernstück des M. Ed.-Studiums dar. Es soll den Studierenden die Möglichkeit eröffnen, vor dem Hintergrund ihrer fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Kenntnisse, die Einzelschule im Allgemeinen sowie den Unterricht im Besonderen als Handlungsfelder zu erkunden und im Rahmen kleiner eigener Analysen einen verstehenden Zugang zur schulischen Wirklichkeit zu entwickeln. Durch die systematische Analyse eigener oder fremder schulisch-unterrichtlicher Praxis wird das Ziel verfolgt, bei angehenden Lehrkräften eine „forschende Grundhaltung“ zu erzeugen, die zu einer kritisch-reflektierten Berufs-praxis beitragen soll. Das Praxissemester dient damit einer Verschränkung theoretischer und praktischer Fragestellungen und Perspektiven und soll zudem eine Integration bildungs- und fachwissenschaftlicher bzw. fachdidaktischer Aspekte ermöglichen.

Das Praxissemester wird sowohl durch Seminarveranstaltungen in den Fächern als auch durch ein obligatorisches Seminar in Bildungswissenschaften (KM2T3: Perspektiven und Methoden der Beobachtung und Analyse von Unterricht) vorbereitet und auch durch entsprechende Seminarangebote in beiden Unterrichtsfächern und Bildungswissenschaften (KM2T4: Begleitung zum Praxissemester) begleitet.

Das Praxissemester wird von den Studierenden der Ruhr-Universität in der Regel im zweiten oder dritten M. Ed.-Semester absolviert. Bitte beachten Sie, dass der schulpraktische Teil des Praxissemesters in bestimmten Fächern, und zwar Chemie, Geographie, Latein/Griechisch, Physik und Russisch, nur einmal im Studienjahr, und zwar im Wintersemester, absolviert werden kann. In diesen Fächern liegt das Praxissemester für Studierende dann unter Umständen bereits im zweiten oder aber erst im vierten Semester.

Die Anmeldungen zum Praxissemester erfolgen über ein Online-Verfahren im April/Mai für September sowie im Oktober/November für Februar (vgl. konkrete Anmeldefristen des Praktikumsbüros http://www.pse.rub.de/sites/studium/praktikumsbuero.php). Das Praxissemester beginnt jeweils spätestens Mitte September bzw. Mitte Februar.

Im Praxissemester absolvieren die Studierenden Praxisstudien von Montag bis Donnerstag in der Schule. Zu Beginn des Praxissemesters, d.h. außerhalb der Vorlesungszeit, erhalten die Studierenden freitags Einführungsveranstaltungen durch die zugeordneten ZfsLs (Bochum/Hagen). Während der Vorlesungszeit ist der Freitag als Seminartag für universitäre Seminarveranstaltungen reserviert. Im dreiwöchentlichen Rhythmus finden an der RUB alternierend die Seminare zu Fach 1 und 2 sowie das Begleitseminar in den Bildungswissenschaften statt.

Die Ausbildungszeit beträgt im schulpraktischen Teil mindestens 390 Zeitstunden, worin 250 Zeitstunden Anwesenheit in der Schule enthalten sind. Nachgewiesen werden müssen im Rahmen der Anwesenheitszeiten im Unterricht unter Begleitung Unterrichtsvorhaben im Umfang von insgesamt 50 bis (maximal) 70 Unterrichtsstunden. Der Umfang von 50 Unterrichtsstunden darf nicht unterschritten werden. Die unterschiedlichen Unterrichtsvorhaben sollen möglichst gleichmäßig auf die beiden Unterrichtsfächer verteilt werden.

Die Studierenden führen im Praxissemester ein Portfolio, das auch Gegenstand des Bilanz- und Perspektivgesprächs ist (Auswertungsgespräch unter Beteiligung von Schulvertretern und Vertretern der ZfsL, evtl. auch Vertreter von universitärer Seite).

Die universitären Begleitungen zum Praxissemester werden in den beiden Unterrichtsfächern durch eine Modulprüfung abgeschlossen, welche je nach Fach unterschiedliche Formate haben kann (z.B. Hausarbeit, Kolloquium). In den Bildungswissenschaften wird auf das Studienprojekt zugunsten eines so genannten Beobachtungs- und Analyseauftrags verzichtet. Hierbei haben Studierende im Rahmen eines Kolloquiums die Aufgabe, anhand einer beobachteten Situation aus der schulischen Praxis Mechanismen, Handlungsprobleme oder Strukturmuster pädagogischen Handelns exemplarisch darzustellen und Überlegungen hierzu anzustellen. Der Beobachtungs- und Analyseauftrag bezieht sich auf einen klar eingegrenzten Ausschnitt der im Praxissemester beobachteten Phänomene, Prozesse und Situationen in Schule und Unterricht. Mit ihm wird das Ziel einer wissenschaftlich reflektierten Beobachtung und Analyse pädagogischer Praxis verfolgt, indem die Studierenden im Sinne des forschenden Lernens eigenständig eine Fragestellung entwickeln und diese unter Bezugnahme auf die in den Vorbereitungs- und Begleitseminaren vermittelten Wissensbestände auf pädagogische Situationen übertragen. Denkbare Aufgaben sind etwa die kriteriengeleitete Beobachtung bestimmter Unterrichtsphänomene (z.B. Fehlerkultur, Unterrichtsstörungen), die prozessbegleitende Analyse von Lernprozessen oder die Auseinandersetzung mit Aufgaben der Schul- und Unterrichtsentwicklung.