Differentielle Effekte von Prompts

Wie soll eine tiefe Verarbeitung von Erklärungen angeregt werden? Eine Untersuchung zu differentiellen Effekten verschiedener Arten von Prompts

Laufzeit 08/2013 - 04/2014
Förderung Bielefelder Nachwuchsfonds
Projektleitung Prof. Dr. Julian Roelle

 

Projektbeschreibung:

Der Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis stärkt das Behalten der abgerufenen Informationen. Dieser zentrale Befund aus dem Bereich des abrufbasierten Lernens gibt Anlass zu der Annahme, dass es für die Lernförderlichkeit von Lernaufgaben zuträglich sei, wenn Lernende die jeweiligen Lernaufgaben abrufbasiert bearbeiten. Das heißt, Lernaufgaben (z. B. Fragen oder Prompts, die nach dem Lesen eines Lehrtexts beantwortet werden sollen) sollten lernförderlicher sein, wenn sie so implementiert werden, dass Lernende während ihrer Bearbeitung nicht mehr auf das Lernmaterial (z. B. den Lehrtext) zugreifen können (im Folgenden als Closed-Book-Implementation bezeichnet) und somit die benötigten Informationen aus dem Gedächtnis abrufen müssen als wenn Lernende während ihrer Bearbeitung noch auf das Lernmaterial zugreifen können (im Folgenden als Open-Book-Implementation bezeichnet). Es ist allerdings plausibel anzunehmen, dass eine Closed-Book-Implementation nicht nur zu lernförderlichem Gedächtnisabruf führt. Da Lernende Informationen selten vollständig korrekt abrufen könnte eine Closed-Book-Implementation gleichzeitig auch die Qualität der durch die Lernaufgaben angeregten Wissenskonstruktionsprozesse reduzieren. Aus der Sicht von konstruktionsorientierten Lerntheorien sollte dieser potentielle Effekt die Lernförderlichkeit von Closed-Book-Lernaufgaben gegenüber Open-Book-Lernaufgaben reduzieren. Die Größe dieses potentiellen abträglichen Effekts wiederum sollte von der Komplexität der Lernaufgaben abhängen. Bei hoch komplexen Lernaufgaben, in denen mehrere Informationen simultan verarbeitet werden müssen (z. B. wenn Lernende mehrere Informationen kombinieren müssen, um eine Schlussfolgerung zu generieren) kann bereits der fehlerhafte Abruf einer einzelnen Information die Qualität der angeregten Wissenskonstruktionsprozesse bedeutsam verringern (z. B. da Lernenden es aufgrund dessen nicht gelingt, die korrekte Schlussfolgerung zu generieren). Bei weniger komplexen Lernaufgaben hingegen sollte dieser abträgliche Effekt geringer ausfallen. Beispielsweise sollte ein fehlerhafter Abruf einer einzelnen Information bei einer Zusammenfassungsaufgabe Lernende nicht daran hindern, andere Informationen korrekt zusammenzufassen. Gemeinsam ergeben diese theoretischen Annahmen die Vorhersage, dass der Nutzen der Integration von Gedächtnisabruf in Lernaufgaben von der Komplexität der Lernaufgaben abhängt. Diese Vorhersage wurde in dem vorliegenden Projekt experimentell untersucht.

 

Publikationen aus dem Projekt:

Roelle, J., & Berthold, K. (2017). Effects of incorporating retrieval into learning tasks: The complexity of the tasks matters. Learning and Instruction, 49, 142–156. doi:10.1016/j.learninstruc.2017.01.008

Ansprechpartner / Sekretariat

Julian Roelle

Tel: 0234 / 32- 22742

Mail: julian.roelle@ruhr-uni-bochum.de
Web: http://ife.rub.de/pae-int

Raum: GA 2/36