Inhalte und Module

Im bildungswissenschaftlichen Studium sind insgesamt drei Module zu studieren, wobei ein Modul aus einem Wahlpflichtbereich (Wahlpflichtmodule 1, 2 oder 3) nach Interesse gewählt werden kann und zwei Module (Kernmodule 1 und 2) zum Pflichtbereich gehören. (Studierende mit dem Unterrichtsfach Pädagogik belegen aus dem Wahlpflichtbereich das Modul, das sie weder im Rahmen ihres BA-Erziehungswissenschafts-Studiums, noch im Studium des Unterrichtsfaches Pädagogik im M. Ed. angewählt haben.) Jedes Modul besteht aus mehreren, thematisch unterschiedlich ausgerichteten, Modulteilen, die in unterschiedlichen Veranstaltungsformen alle abgedeckt werden müssen. Dabei gilt innerhalb der Module nicht das Konsekutivitätsprinzip, d.h. die Veranstaltungen müssen nicht in der Reihenfolge der Modulteile belegt werden (Beispiel: Teil 2 kann vor Teil 1 belegt werden). Die einzige Ausnahme stellen die Modulteile KM2T3 und KM2T4 dar, die das Praxissemester vorbereiten (T3) und begleiten bzw. nachbereiten (T4). Wir weisen jedoch darauf hin, dass es im Sinne des Studienerfolgs durchaus sinnvoll sein kann, z.B. zunächst orientierende (Überblicks-)Vorlesungen (z.B. in KM1T1) zu besuchen und anschließend bestimmte Teilaspekte des Felds im Rahmen eines Seminars vertiefend zu betrachten.

Der Pflichtbereich (KM1/KM2)

Der Pflichtbereich des BiWi-Studiums besteht aus zwei Modulen, die sich beide aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Berufsfeld und berufliche Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern beziehen. Das Modul KM1 (Schule und Gesellschaft) thematisiert Aufgaben von Schule als Institution und Strukturen bzw. Entwicklungen in Schule und Bildungssystem sowie deren Auswirkungen auf Lehrerberuf und Lehrerhandeln. Das Modul KM2 fokussiert die Ebene beruflichen Handelns, indem es sich mit Fragen der Planung, Analyse und Diagnose unterrichtlicher und organisationaler Prozesse sowie mit Fragen der Lehrerprofessionalität befasst. Nachfolgend werden die Themenbereiche der beiden Module des Pflichtbereichs kurz vorgestellt:

Im Modul KM1 (Schule und Gesellschaft) geht es aus meso- und makrotheoretischer Perspektive neben einer Bestimmung grundlegender Merkmale institutionalisierten schulischen Lehrens und Lernens um eine Auseinandersetzung mit den Funktionen von Schule als gesellschaftliche Institution, wobei konkurrierende Funktionen und Vorstellungen von Schule in Bezug auf ihre theoretischen Begründungen und praktischen Konsequenzen analysiert werden. Hierzu werden beispielsweise schultheoretische Positionen mit empirischen Befunden zur Leistungsfähigkeit des Schulsystems in Beziehung gesetzt, um zentrale Problembereiche auf verschiedenen Ebenen identifizieren und Handlungsmöglichkeiten zur Lösung organisationaler und unterrichtlicher Probleme entwickeln zu können. Schulgeschichtliche und schultheoretische Reflexionen werden mit den aus aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen erwachsenden Herausforderungen an Schulsystem, Einzelschule, Lehrerhandeln und Lehrerrolle in Beziehung gesetzt. Hierzu gibt die Vorlesung in KM1T1 einen systematischen Überblick zu ausgewählten schultheoretischen Positionen und klassischen Handlungsfeldern von Schulreform(en) und leitet hieraus Konsequenzen für das professionelle Handeln von Lehrkräften ab. In KM1T2 werden exemplarische Handlungsfelder von Schulentwicklung, welche im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen stehen, in den Blick genommen und in Bezug auf organisationale Gestaltungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten (u.a. auf Einzelschulebene) untersucht. KM1T3 vertieft diese Perspektive und thematisiert am Beispiel ausgewählter schulischer Veränderungsnotwendigkeiten mögliche Handlungsfolgen, etwa durch die Analyse spezifischer Problembereiche und deren Auswirkungen auf Schulalltag und Lehrerprofession.

Das Modul KM2 (Schule und Gesellschaft) fokussiert demgegenüber die Ebene des konkreten beruflichen Handelns, indem es sich mit Fragen der Planung, Analyse und Diagnose unterrichtlicher und organisationaler Prozesse befasst. Es zielt auf eine professionsorientierte Verknüpfung von Theorie und Praxis im Modus einer forschenden Grundhaltung und soll eine wissenschaftlich fundierte Beobachtung, Analyse und Reflexion von Schul- und Unterrichtspraxis ermöglichen. In diesem Sinne bieten Ihnen die Modulteile KM1T1 und KM2T2 zunächst in Form von Vorlesungen thematisch breit angelegte Überblicke, die ein grundlegendes Verständnis von didaktischen Theorien, empirischen Befunden zu Aspekten allgemeiner Unterrichtsqualität, Verfahren und Konzepten der Diagnostik und (individuellen) Förderung ermöglichen und damit potenziell auch thematische Perspektiven für eine im Kontext des Praxissemesters durchzuführende Beobachtungs- und Analyseaufgabe öffnen. KM2T3 bereitet das Praxissemester vor, indem in die Anwendung empirischer Forschungsmethoden zur Erhebung und Auswertung von Daten eingeführt wird, die für ausgewählte schulpraktische Fragestellungen relevant sind. Im Rahmen des Begleitkurses zum Praxissemester (KM2T4) sind die Studierenden aufgefordert, selbstständig eine Beobachtungs- und Analyseaufgabe zu bearbeiten, in angemessener Form darzustellen und im Kontext der eigenen Professionalisierung zu reflektieren.

Der Wahlpflichtbereich (WM1/WM2/WM3)

Der Wahlpflichtbereich besteht aus drei Modulen, die Fragestellungen und Themen aus dem Basismodul Bildungswissenschaften des lehramtsbezogenen Optionalbereichs im BA vertiefend aufgreifen. Eines der drei Module wird ausgewählt und vollständig (d.h. Abdeckung beider Modulteile) studiert. Die Wahlpflicht-Module thematisieren grundlegende Fragen der Bildung und Erziehung (WM1), des Lernens und Lehrens (WM2) und der Entstehung von Differenz (WM3). WM1 ist bildungstheoretisch/-philosophisch, -historisch und -soziologisch, WM2 lehr-/lernpsychologisch und WM3 bildungssoziologisch orientiert. Nachfolgend werden die Inhaltsbereiche der drei Wahlpflichtmodule kurz vorgestellt:

Im Modul WM1 (Theorie und Geschichte der Bildung) findet eine begrifflich-systematische, historische und gegenwartsorientierte Auseinandersetzung mit dem Bildungsbegriff als zentraler Kategorie der Erziehungswissenschaft statt. Das Modul gliedert sich in zwei Modulteile (T1: Systematische Perspektiven der ›Bildung‹ / T2: Historische Perspektiven der ›Bildung‹), die sich gegenseitig ergänzen und beide studiert werden müssen. WM1T1 befasst sich mit erziehungs- und bildungstheoretischen Diskursen, Analysen, Diskussionen und Reflexionen zu ausgewählten systematischen Problemen wie z. B. „Macht und Autorität“, „Identität und Anerkennung“, „Subjektsein und Mündigkeit“ sowie „Zukunft“. WM1T2 hat die Geschichte pädagogischer Praktiken, Organisationen und Institutionen, Etablierung und Wandel von Kindheit, Schule, pädagogischer Professionalität und Bildungswissens zum Gegenstand. Zentrale Zielsetzung des Moduls ist es, Verfasstheit und Bedeutung pädagogischer Denkansätze und deren historische Genese zur Gestaltung pädagogischer Praktiken, Felder und Institutionen (v.a. Schule und Unterricht) zu verstehen und in einem gesellschaftstheoretischen Kontext kritisch zu reflektieren. Hierbei werden auch Bezüge zu soziologischen, philosophischen und anthropologischen Referenztheorien hergestellt.

In Modul WM2 geht es um theoretische und empirische Fragen in Bezug auf die adaptive Gestaltung von Lehr-/Lernprozessen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Heterogenität der Lerngruppen in der Schule. Ziel des Moduls ist es, dass Studierende Theorien und Methoden, die zur Beschreibung und Erklärung von Lehr-Lernprozessen sowie zur Vorhersage ihrer Ausgestaltung und Ergebnisse herangezogen werden können, kennen lernen und dazu fähig sind, diese auf konkrete Lehr-Lernsituationen anzuwenden. Ein besonderer Fokus wird hierbei auf die Möglichkeiten digitaler Konzepte zur Unterstützung von Lehr-/Lernprozessen gelegt. Inhaltlich werden in WM2T1 u.a. Modelle, Theorien und kognitive Grundlagen des Lehrens und Lernens (z.B. Gedächtnis, Wissensformen, Wahrnehmung, Metakognition usw.) sowie hieraus resultierende Konsequenzen für die Gestaltung von Lehr-Lernsituationen und -prozessen thematisiert. In WM2T2 werden u.a. Modelle und Theorien zu Motivation und Emotion im Zusammenhang mit kognitiven, motivationalen und emotionalen Aspekten des Lehrens und Lernens behandelt. Hierbei geht es um Teilgebiete wie z.B. Lern- und Leistungsmotivation, Interesse, Selbstkonzept oder Selbstwirksamkeitserwartungen sowie Selbstregulation.

Gegenstand dieses Moduls sind soziologische Analysen zu Entstehung und Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit, welche mit erziehungswissenschaftlichen Forschungen zu Differenzkonstruktionen, -kategorisierungen und -bearbeitungen in schulischen und außerschulischen Kontexten verzahnt werden. Hierbei geht es u.a. um die Frage, wie soziale Differenz-, Ungleichheits- und Machtverhältnisse Einfluss auf Bildungsprozesse (Bedingungen, Verläufe, Ergebnisse) nehmen, und umgekehrt, wie Bildung zur Genese, Stabilität und Transformation sozialer Differenz und Ungleichheit beiträgt. Betrachtet werden Kommunikation und Praktiken, Programme und Konzepte ebenso wie rahmende gesellschaftliche Strukturen, welche entlang „klassischer“ Differenz- und Ungleichheitskategorien (Klasse/Milieu, Gender, Ethnizität) und schulischer Klassifikationen (Leistung, Lernen, Verhalten) untersucht werden. In WM3T1 werden Wechselbeziehungen zwischen Sozialisations-, Bildungs- und Selektionsprozessen und der (Re-)Produktion von Ungleichheitsverhältnissen dargestellt. Das Seminar im zweiten Teil dient der vertiefenden Auseinandersetzung mit den Strukturen und Mechanismen im und außerhalb des Bildungssystems, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung sozialer Differenz und Bildungsungleichheit beitragen.