Erziehen und Streiten

Auf der Suche nach der systematischen Bedeutung von ‘Streit‘ für Theorien der Erziehung

Ole Hilbrich

Ziel des Promotionsvorhabens ist es, den systematischen Stellenwert von Streit in ausgewählten Erziehungstheorien zu untersuchen.

Im Horizont einer demokratischen Lebensform stellt eine solche Untersuchung ein normatives Desiderat dar: So haben die so genannten agonalen Demokratietheorien in jüngster Zeit immer wieder auf die konstitutive Bedeutung von Streit für die Sicherung des sozialen Zusammenhalts dieser Lebensform bei gleichzeitiger Erfüllung von deren normativen Versprechen von Freiheit und Gleichheit hingewiesen. Praktiken der Erziehung erfüllen im Rahmen einer Lebensform die Aufgabe, deren Fortbestand über die Einführung einer neuen Generation in die für die Lebensform charakteristischen Praktiken zu sichern. Dabei – so die hier verfolgte Annahme – ist Erziehung im Rahmen der Demokratie selbst dem für sie konstitutiven Streit unterworfen. Das macht sich u. a. im Zusammenhang einer diskursiven Bestimmung von Erziehungszielen, im Modus einer intersubjektiven Gestaltung der Erziehungspraxis sowie der symbolischen Repräsentation des Verhältnisses pädagogischer Generationen als potentiell konflikthaft bemerkbar.

Ausgangspunkt des Vorhabens ist die Beobachtung, dass die gegenwärtige Erziehungswissenschaft aufgrund ihrer individualtheoretischen Zentrierung um die Begriffe ‚Bildung‘, ‚Lernen‘ und ‚Kompetenz‘ nicht in der Lage ist, die Bedeutung von Streit für ihren Gegenstand – Erziehung in ihrer theoretischen und praktischen Gestalt – angemessen zu erfassen. Die Untersuchung setzt an der Annahme an, dass es sich dabei um einen gegenwärtig ‚vergessenen‘ Zusammenhang handelt, der jedoch in historischen Theorien der Erziehung ‚aufgespürt‘ und durch Einbeziehung neuerer theoretischer Konzeptionierungen von Streit für die gegenwärtige Erziehungswissenschaft neu ‚entdeckt‘ bzw. formuliert werden kann.

Gegenstand der Untersuchung sind zum einen die historisch bedeutsamen Erziehungstheorien von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und Klaus Mollenhauer. Für die gegenwärtige Konstellation wird versucht die streittheoretischen Positionen Hannah Arendts und Jacques Rancières für eine erziehungstheoretische Betrachtung fruchtbar zu machen.

 

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