ALSTER II

Projektbezogene Vorarbeiten

In der ersten Förderphase des Projekts wurde die Frage untersucht, welche Rollen Strategien des Ressourcenmanagements für eine erfolgreiche Studieneingangsphase spielen. Hierbei konnte auf Basis von vorab explorierten Ressourcenmanagement-Problemsituationen ein Situational-Judgement Instrument (ReMI; Waldeyer, Fleischer, Wirth, & Leutner, eingereicht) entwickelt, evaluiert und validiert werden, welches es ermöglicht, Defizite im Bereich des Strategiewissens sowie Strategieeinsatzes in konkreten Studiensituationen simultan zu erfassen. Mit Hilfe des ReMI konnte gezeigt werden, dass ca. die Hälfte der Studienanfängerinnen und -anfänger über kein hinreichendes (konditionales oder prozedurales) Wissen über Ressourcenmanagementstrategien verfügen (Verfügbarkeitsdefizit). Weitere Defizite (Produktions- oder Nutzungsdefizit) wurden von vergleichsweise wenigen Studierenden (insbesondere hinsichtlich Zeitmanagement) berichtet.

Zentrale Fragestellung

Die zweite Projektförderphase dient der Überprüfung der in der ersten Phase in einem korrelativen Design erzielten und teilweise auf Selbstberichtdaten basierenden Ergebnisse. In einem experimentellen Design sollen hierfür die korrelativen Befunde bezüglich des Zusammenhangs zwischen selbstberichteten Defiziten im Ressourcenmanagement und Studienerfolg kausal interpretierbar repliziert werden.
Zu diesem Zweck wird der Zusammenhang von Angaben Studierender bezüglich selbst erlebter Studienherausforderungen mit entsprechenden Angaben im ReMI untersucht, und überprüft, ob die beim Bewältigen erster Studienherausforderungen gesammelten Erfahrungen zu Veränderungen im Antwortverhalten bei der Bearbeitung des ReMI führen. Die erwarteten Zusammenhänge werden daraufhin durch eine adaptive Intervention im Rahmen eines experimentellen Kontrollgruppendesigns auf ihre Ursache-Wirkung-Beziehung überprüft. Zudem wird die Rolle von Ressourcenmanagement als Mediator des Effekts von Gewissenhaftigkeit auf den Studienerfolg differenzierter betrachtet.

Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zum DFG-Forscherverbund ALSTER, indem es auf Lernstrategien fokussiert und untersucht, inwieweit die im Rahmenantrag beschriebene Verbindung zwischen Lernvoraussetzungen und Studienerfolg über Lernstrategien vermittelt wird.

Theoretischer Hintergrund

Der Wechsel von der Schule zur Hochschule oder Universität stellt Erstsemesterstudierende vor bisher unbekannte Herausforderungen, ohne dass sie adäquate Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen routiniert zur Verfügung haben (z.B. Clark, 2005). Neben kognitiven und metakognitiven Strategien, deren Prädiktion für Lernerfolg in zahlreiche Studien untersucht wurde (für einen Überblick siehe z.B. Leutner & Leopold, 2006; Wirth & Leutner, 2008), nehmen in jüngerer Zeit Ressourcenmanagementstrategien eine zunehmende Rolle für die Vorhersage des Studienerfolgs ein.

Hierbei zählen Zeitmanagement, Hilfesuchen, Motivation und Anstrengung zu den internen und externen Ressourcen, die Studierende zur Förderung ihres Lern- und Studierverhaltens einsetzen können (Dresel et al., 2015). Erstsemesterstudierende neigen zu Studienbeginn dazu, den für ein erfolgreiches Studium benötigten Zeitaufwand deutlich zu unterschätzen (Thibodeaux, Deutsch, Kitsantas, & Winsler, 2017), die Inhalte des Studiums als zu schwierig oder anreizarm zu erleben (Engelschalk, Steuer, & Dresel, 2015) und noch keine hinreichend ausgeprägte Fähigkeit bezogen auf adäquates Hilfesuchen entwickelt zu haben (Inaltun, Irmak, Yanis, & Ercan, 2013). Entsprechend benötigen Erstsemesterstudierende Unterstützung bei der selbstständigen Gestaltung und Regulation ihres Lern- und Studierverhaltens, um entsprechenden negativen Konsequenzen für den Studienerfolg entgegenzuwirken (Dörrenbächer & Perels; Fabriz, Dignath-van Ewijk, Poarch, & Büttner, 2014).

Design

Zur Beantwortung der Forschungsfragen sind zwei Studien geplant. Studie 1 dient der Überprüfung und Replikation der Befunde der ersten Förderphase mit Hilfe von Verhaltensdaten sowie Selbstberichtdaten zu konkreten erlebten Studiensituationen. Im Rahmen einer sechswöchigen Lerneinheit werden hierfür N = 100 Erstsemester-Studierende des Bauingenieurswesens der Universität Duisburg-Essen (UDE) entsprechende Studienproblemsituationen erleben, welche den Einsatz unterschiedlicher Ressourcenmanagementstrategien erfordern. Um die benötigten Verhaltensdaten erfassen zu können, wird eine Moodle-Lernplattform konzipiert, welche sich in Module unterschiedlichen Umfangs gliedert, die durch die Studierenden selbstständig zu bearbeiten sind.

Studie 2 dient der Überprüfung der Ursache-Wirkungs-Beziehung der gefundenen Zusammenhänge zwischen Regulationsdefiziten des Ressourcenmanagements und dem Studienerfolg. Indem auf die verschiedenen Defizite von Studierenden durch eine Intervention adaptiv reagiert wird, sollen die jeweiligen Effekte mit einer Kontrollgruppe aus Studierenden, auf deren Defizite nicht interveniert wird, verglichen werden (N = 180 Erstsemester-Studierenden des Bauingenieurswesens der UDE). Hierbei wird erwartet, dass diejenigen Studierenden mit Defiziten im Ressourcenmanagement, die adaptiv trainiert wurden, einen höheren Studienerfolg erzielen als diejenigen Studierenden mit entsprechenden Defiziten, die nicht trainiert wurden.

Literaturverzeichnis

Clark, M. R. (2005). Negotiating the freshman year: challanges and strategies among first-year college students. Journal of College Student Development, 46, 296-316.

Dörrenbächer, L., & Perels, F. (2016). More is more? Evaluation of interventions to foster selfregulated learning in college. International Journal of Educational Research, 78, 50-65.

Dresel, M., Schmitz, B., Schober, B., Spiel, S., Ziegler, A., Engelschalk, T., Jöstl, G., Klug, J. Roth, A., Wimmer, B., & Steuer, G. (2015). Competencies for successful self-regulated learning in higher education: Structural model and indications drawn from expert interviews. Studies in Higher Education, 40, 454–470.

Engelschalk, T. Steuer, G., & Dresel, M. (2015). Wie spezifisch regulieren Studierende ihre Motivation bei unterschiedlichen Anlässen? Ergebnisse einer Interviewstudie. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 47, 14–23.

Fabriz, S., Dignath-van Ewijk, C., Poarch, G., & Büttner, G. (2014). Fostering self-monitoring of university students by means of a standardized learning journal – A longitudinal study with process analyses. European Journal of Psychology of Education, 29, 239-255.

Inaltun, H., Irmak, M., Yanis, H., & Ercan, J. (2013). Investigating differences in preservice science teachers’ resource management strategies in preparing laboratory report. Procedia – Social and Behavioral Sciences, 116, 4140-4144.

Leutner, D. & Leopold, C. (2006). Selbstregulation beim Lernen aus Sachtexten. In: H. Mandl & H.F.Friedrich (Eds.), Handbuch Lernstrategien (pp. 162-171). Göttingen: Hogrefe.

Thibodeaux, J., Deutsch, A., Kitsantas, A., & Winsler, A. (2017). First-year college students’ time use: relations with self-regulation and GPA. Journal of Advanced Academics, 28, 5-27.

Wirth, J., & Leutner, D. (2008). Self-regulated learning as a competence: implications of theoretical models for assessment methods. Journal of Psychology, 216, 102-110.

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