Theorie und Empirie der Subjektivation

In der Analyse epigenetischer menschlicher Entwicklungsprozesse als Subjektivationsprozessen geht es darum, den Zusammenhang von Selbstkonstitution und Fremdkonstitution so zu erläutern, dass insbesondere die Schnittstelle zwischen Verhältnissen und Selbstverhältnissen focussiert wird. Entlang der Leitthese, dass Menschen sich nur an anderen und anderem als sie selbst erlernen, wird Subjektivation daher als ein Prozess begriffen, in dem Menschen durch andere zu Subjekten gemacht werden wie sich selbst dazu machen; Subjektivation kann daher weder auf ein Geschehen der Entfaltung, Entwicklung oder Selbstkonstruktion noch auf bloße Sozialmachung reduziert werden, sondern muss als ein konstitutives Ineinander von Fremd- und Selbstbezüglichkeit verstanden werden. Der Begriff des Subjekts transportiert - wenn auch oft übersehen - diese Doppeldeutigkeit, bezeichnet er doch (im lateinischen sub-iectum sichtbar) sowohl das Zugrundeliegende als auch das Unterworfene. Subjektivation meint daher jenen Prozess, das eigene Leben unter Führungsbedingungen anderer zu erlernen wie zu führen und sich so in Anderen- und Weltverhältnissen zu sich selbst in ein Verhältnis zu setzen - kurz: sich selbst zu einem Subjekt zu machen sowie durch andere zu einem Subjekt gemacht zu werden.

Im Forschungsschwerpunkt 'Prozesse der Subjektivation' werden daher sowohl theoretisch-kategoriale als auch empirisch-phänomenale Fragestellungen verfolgt:

So geht es zum einen darum, einen theoretisch angemessenen Rahmen zu erarbeiten, der sowohl der Relationalität von Subjektivationsprozessen, dem Ineinander von Fremd- und Selbstbezüglichkeit gerecht(er) wird, als auch deren praktischen Charakter, dem 'Wie' der Subjektivation, herausarbeitet. Aussichtsreich dafür scheint insbesondere ein relational ausgearbeiteter und phänomenal (und nicht bloß normativ) justierter Begriff der Anerkennung zu sein, der der Tatsache, dass Menschen als Subjekte durch andere anerkannt werden müssen und sich insofern auch als solche darstellen müssen, Rechnung zu tragen sucht.

Zum anderen sollen in empirisch-phänomenalen Studien die theoretisch-kategorialen Perspektiven hin auf ihre Tauglichkeit und Fruchtbarkeit hin überprüft werden, um so - exemplarisch - ein komplexes, historisch und gesellschaftlich justiertes und nicht bloß (auf Teilaspekte begrenztes) reduktionistisches Verständnis der menschlichen Epigenesis zu formulieren. Teilstudien des Projekts befassen sich daher mit dem Zusammenhang von Anerkennung und Selbstverstehen, dem Zusammenhang von Lernprozessen und Lernhaltungen sowie mit der Frage nach dem Zusammenhang von Subjektivation und Körper. In historischer wie auch vergleichender Perspektive werden schließlich unterschiedliche gesellschaftliche Muster von Subjektivationspraktiken und -vorstellungen rekonstruiert und miteinander kontrastiert.

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