M. A. Andreas Jünger

Sozialgeschichte des Aufwachsens und der Erziehung
Institut für Erziehungswissenschaft
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Promotionsprojekt: „Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus in Andalusien“

Im Jahr 2010 besaß Spanien innerhalb der Europäischen Union erstmals die größte Fläche an ökologischem Landbau. Über fünfzig Prozent dieser Fläche befand sich in Andalusien, jener Region, die bislang vor allem für eine exportorientierte „moderne Hochleistungslandwirtschaft“ mit weitläufigen Plastikgewächshäusern und Monokulturen bekannt war.

Andalusien war wie das gesamte Land in den 1970er- und 1980er-Jahren von weitreichenden Ereignissen und Entwicklungen geprägt: Mit dem Tod Francos im Jahr 1975 endete die über drei Jahrzehnte währende Diktatur in Spanien, es folgte eine Phase des Übergangs zur Demokratie (Transición), das Land erlebte eine wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Öffnung und trat 1986 der Europäischen Gemeinschaft bei. Dies führte auch im Bereich der Landwirtschaft zum Auftauchen neuer und vielfältiger Akteure und Ideen. Zu nennen sind dabei etwa landwirtschaftliche Verbände, Gewerkschaften sowie Zusammenschlüsse von Produzenten und Konsumenten, von denen einige auch dezidiert ökologische Probleme der Landwirtschaft thematisierten. Mit dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft wurde die spanische Landwirtschaft zudem Teil der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP), die seit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 eines der wichtigsten Elemente der gemeinsamen europäischen Politik und ein oftmals strittiger Faktor im Prozess der Europäischen Integration war. Gleichzeitig trieben seit den 1960er-Jahren in vielen Teilen der Welt engagierte Personen die Forschung an ökologischen Fragen voran und es entstanden Bewegungen, die die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Umwelt thematisierten und alternative Wege auf­zeigten – so auch in Spanien.

Das Dissertationsprojekt beleuchtet vor diesem Hintergrund erstmals aus historischer Sicht die Geschichte des ökologischen Landbaus in Andalusien von der Zeit der Transición bis ins Jahr 2010. Dabei wird die Ausweitung des ökologischen Landbaus in Andalusien rückblickend nicht als lineare Erfolgsgeschichte vorgeführt, sondern vielmehr als Konflikt­geschichte betrachtet. Diese offenbart sich im Spannungsfeld von divergierenden Interessen der einbezogenen staatlichen und nicht-staatlichen Akteure. Schwerpunkt der Untersuchung bildet die Frage nach Verflechtungen zwischen Akteuren innerhalb und außerhalb Andalusiens sowie deren Rolle bei der Ausbreitung des Öko-Landbaus. Hierzu ist eine Analyse der EU-Gesetzgebungsprozesse in Bezug auf den Öko-Landbau ebenso notwendig wie die Betrachtung transnational agierender Organisationen sowie die Untersuchung des Einflusses von ausländischen Unternehmen und zugewanderten Landwirten in Andalusien. Ausgehend von einer regionalen Studie wird somit ein innovativer Beitrag für eine europäische bzw. transnationale Agrar-, Umwelt-, Politik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte geschaffen.

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