A 7: Lebensentwurf, Lebenslauf und Lebenswelt

Teil 1: Identität und Sozialität

Die Forderung nach Selbstfindung und Identität altert nicht. Die Gründe der Dringlichkeit einer stabilen Identität unterliegen allerdings einem manchmal auffälligen, mitunter aber unscheinbaren Wandel. Prototyp des flexiblen Menschen (Richard Sennett) ist heute vor allem der Selbstmanager (Ulrich Bröckling), der sich selbst organisiert und für alles selbst verantwortlich ist. Er plant sein Leben und sein Lebensende, kontrolliert seine Gesundheit, willigt informiert in folgenreiche operative Interventionen ein, testet seine Vaterschaft, arbeitet am Wunschkind, fängt bereits im Kindergarten an, sein Gedächtnis pharmazeutisch zu unterstützen, sucht nach Wegen effektiver genetischer und neuronaler Steuerung. Die so genannte Lernkultur hat diesem Trend Rechnung zu tragen, indem sie selbstgesteuerte Aneignungs- und Kontrollprozesse ermöglicht. Aber auch die Suche nach dem Selbst, welche entfernt mit dem traditionellen Bildungsverständnis verwandt ist, wird durch den Erwerb von Selbstkompetenzen vielfältig unterstützt. Insbesondere neurowissenschaftliche Fahndungen nach dem Sitz des Selbstbewusstseins normalisieren dabei die Überzeugung, alles in den Griff zu bekommen und für alles selbst aufkommen zu können. Die virtuose Beherrschung von Selbsttechnologien betrifft Bildung und Arbeit, aber auch das eigene Erscheinungsbild. Vor diesem Hintergrund gilt es, Phänomene der Identitätsproduktion in unserer Gesellschaft zu sammeln und zu analysieren.

Teil 2: Aufwachsen und Gesellschaft

Aufwachsen und Lebenslauf werden durch gesellschaftliche Einflüsse sowie kulturelle Normen und Werte geprägt und unterliegen historischem Wandel. Das Modul führt exemplarisch in die kulturelle und historische Vielfalt der Formen des Aufwachsens, der Generationenverhältnisse und der Lebensgestaltung ein und hat die Befähigung zur selbstständigen, reflektierten Analyse der kulturellen und historischen Voraussetzungen und Folgen spezifischer Formen des Aufwachsens und der Erziehung zum Ziel. Dazu gilt es, in systematischer wie historischer Perspektive die Bedeutung unterschiedlicher Sozialisationsinstanzen wie etwa der Familie und der Massenmedien, der Human- und Biowissenschaften, schließlich auch politischer, wirtschaftlicher und kultureller Einflussfaktoren abwägend zu diskutieren. Aufgrund ihrer Bedeutung in der jüngeren Geschichte und Gegenwart bilden die Entwicklung, Leistungen und Folgeprobleme institutionalisierter Erziehungsformen einen besonders herausgehobenen Untersuchungsgegenstand.

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