Forschung

Im Fokus unserer Forschung steht die Entwicklung und Modellierung von Kompetenzen, die Menschen in­formell, d.h. außerhalb formaler Lernorte wie Schule, Hochschule oder betriebliche Weiterbildung erlangen. Wir interessieren uns sowohl für die Ergebnisse informeller Lernprozesse als auch für die personalen Voraussetzungen, die erfolgreiches informelles Lernen überhaupt erst ermöglichen.

Informelles Lernen gewinnt in einer digital geprägten Wissensgesellschaft, die sich durch raschen kulturellen und technologischen Wandel, einen hohen Grad an Spezialisierung sowie eine unmittelbare Verfügbarkeit großer ungefilterter Informationsmengen auszeichnet, besondere Bedeutung: Es dient uns dazu, ein Leben lang auch dann selbstständig konzeptuelles Wissen zu erwerben, wenn keine Lehrenden zugegen sind, die Lerngelegenheiten inszenieren und das relevante Wissen in didaktisch angemessener Weise aufbereiten. Letztlich ermöglicht informelles Lernen Individuen somit persönliches Wachstum und Teilhabe an der Gesellschaft. Daher bildet die schulische Förderung des Erwerbs der Kompetenzen zum informellen Lernen einen weiteren Schwerpunkt unserer Arbeit.

 

Forschungsprojekte

Kognitive Arbeitsteilung und das Lesen multipler wissenschaftsbezogener Dokumente im Internet
DFG-Projekt im SPP 1409, Wissenschaft und Öffentlichkeit

Laufzeit: 01.08.2009 bis 31.07.2015

In dem Projekt wird der Umgang von Laien mit konfligierenden wissenschaftlichen Fachinformationen im Internet untersucht. Die wissenschaftlichen Fachinformationen entstammen den Bereichen Medizin und Klimawandel. Es wird eine weit verbreitete Variante der Internetrecherche experimentell simuliert: Laien suchen innerhalb multipler, teilweise konfligierender Textdokumente nach Experteninformationen, um eine informierte gesundheitsbezogene Entscheidung treffen zu können. Dabei stellen sich im Falle konfligierender Informationen die zentralen Fragen, unter welchen Bedingungen Laien intertextuelle Konflikte erkennen und wie sie die Expertise bewerten, die den Argumenten in den Texten zugrunde liegt. In einer ersten Serie von Studien werden zunächst Faktoren experimentell überprüft, die unseren Annahmen nach die Konfliktentdeckung und Konfliktverarbeitung maßgeblich beeinflussen. Parallel sollen in einer zweiten Serie von Studien Faktoren empirisch untersucht werden, die hinsichtlich der Konfliktbewältigung von Laien bedeutsam sind. Weitere Studien sollen darüber hinaus Aufschluss über die Vorstellungen von Laien zur Struktur und Verteilung wissenschaftlicher Expertise (Laienvorstellungen zur kognitiven Arbeitsteilung) geben. Auf theoretischer Ebene bezieht sich das Projekt auf die empirische Testung unseres Modells des Lesens multipler konfligierender (wissenschaftlicher) Dokumente (CSI Modell, Content-Source-Integration Modell) sowie auf die Rekonzeptualisierung der Theorie der Kognitiven Arbeitsteilung, insbesondere im Hinblick auf ihre Bedeutsamkeit für die Textverarbeitung wissenschaftlicher Dokumente, siehe auch http://wissenschaftundoeffentlichkeit.de/.

Mehr zu dem Projekt auf der Webseite der DFG zum Wissenschaftsjahr 2014 Die digitale Gesellschaft.

Rainer Bromme, Marc Stadtler, Lisa Scharrer, Eva Thomm

 

Fostering Multiple Document Literacy Skills: A European Perspective (MD-SKILLS)
Projekt gefördert im deutsch-französischen Forschungsprogramm der ANR und DFG (Teilbereich Humanities and Social Sciences)

Laufzeit: 01.06.2013 bis 30.10.2017

MD-SKILLS ist ein bilaterales, deutsch-französisches Forschungsprojekt, das gemeinsam mit Forschern der Universität Poitiers (dortige Projektleitung durch Dr. Jean-François Rouet) durchgeführt wird. Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung und empirische Erprobung neuer instruktionaler Methoden zur Unterstützung Jugendlicher bei der Nutzung Multipler Textdokumente.
Unser Vorgehen gründet sich zum einen in der Analyse der Anforderungen an das Textverstehen zum Zwecke der Teilhabe an modernen Wissensgesellschaften. Zum anderen ist unser Vorgehen durch Erkenntnisse zu den hieran beteiligten Prozessen aus der kognitiv orientierten pädagogisch-psychologischen Forschung informiert. Basierend auf bestehenden theoretischen Modellen identifizieren wir mit der Informationsevaluation und der Informationsintegration zwei Kernkompetenzen des Verstehens multipler Dokumente, die die Basis unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bilden. Jüngere Studienergebnisse aus der empirischen Bildungsforschung weisen darauf hin, dass die benannten Kernkompetenzen bei vielen 15-jährigen Schülern jedoch nur unzureichend ausgebildet sind. Zugleich fehlen im französischen und deutschen Schulsystem hinreichend validierte Methoden der Instruktion sowie der Erfassung der Kernkompetenzen des Verstehens multipler Dokumente. Daher besteht unser Ziel darin, Messmethoden zur Erfassung der benannten Kompetenzen sowie innovative Trainingsmaßnahmen zu entwickeln, implementieren und evaluieren. Dabei finden die spezifischen Anforderungen und Einschränkungen des deutschen und des französischen Schulsystems konsequent Berücksichtigung. Zugleich bietet die Erforschung der Thematik in Form einer bilateralen Kooperation die Chance, besonders nachhaltige, weil schulsystemübergreifende Einblick in die Förderung des Lesens aus Multiplen Dokumenten in der Sekundarstufe zu gewinnen.

Marc Stadtler, Rainer Bromme

Ansprechpartner / Sekretariat

Tel: 0234 / 32- 27317

Mail: marc.stadtler@rub.de
Web: http://ife.rub.de/kom-kom

Raum: GA 2 / 31